saß er im Sprecherhäuschen, unser Stürmer Kevin Gotel. Er wirkt irgendwie relaxt, die Ruhe selbst. Aber das täuscht. In ihm brodelt es. Gerade jetzt, wenn die Mannschaft zusammenkommt und ihrem Trainer Norbert Hess lauscht, wie wir den nächsten Gegner aus Neunkirchen knacken können. Wenn das Team eine Stunde vor Spielbeginn sich warm macht.

Das alles kann er seit dem Pokalspiel gegen Gonsenheim nicht wahrnehmen.

„Es war die 17. Minute, als ich mit dem Kopf einen Ball verlängerte, spürte ich einen Schlag von meinem Gegner auf meinen Körper. Ich dachte die Rippen seien angeknackst und auch der Therapeut hat in der ersten Diagnose so etwas vermutet.“

Alles andere ist bekannt. Nach seiner Einlieferung in das Klinikum wurde ein Nierenriss festgestellt. Der Blutverlust war so stark, dass er zurück auf die Intensivstation musste.

„Da wird Dir bewusst, was so alles wichtig ist im Leben!“

„Toll sind auch die Gespräche, die Du während der Behandlung mitbekommst, ob man nun die Niere entfernen muss oder nicht. Da wird Dir klar, wie innerhalb einer Sekunde sich Dein Leben verändert.“

Er befindet sich in einer phänomenalen Rekonvaleszenz, erklärt der TSG Stürmer, der schon so viele und vor allem so wichtige Tore seit 2008 für unseren Verein geschossen hat. Zugucken und bei den Spielen nicht helfen können ist für ihn wie ein Schicksalsschlag.

„Fußball ist für mich alles und ich komme so bald als möglich zurück. Davon kannst Du ausgehen. In Kürze eine weitere Untersuchung mit Computertomografie und dann sehen wir schon etwas klarer. Übrigens war Mario Cuc außerhalb und auf dem Platz immer für mich da, das soll auch einmal erwähnt sein.“

Seine Verletzung hat ihn in seinem Studium an der Technischen zum Lehramt an Berufsbildenden-Schulen (LaBBS) mit der Fachrichtung Bautechnik und Sport leicht zurückgeworfen. Aber auch diese Situation wird und vor allem will Kevin meistern.

Im Einsatz als Stürmer wird Kevin in Zukunft auch keine Angst verspüren. „Meine Motivation ist größer als je zuvor, mit meinem Team wieder erfolgreich zu sein.“

Mittlerweile ist seine Ruhe etwas verflogen. Das Spiel beginnt in 50 Minuten und es wird Zeit, sich zu konzentrieren. Auch Zuschauen ist anstrengend! Keine Frage. Drücken wir ihm die Daumen, dass er so schnell als möglich das Training aufnehmen kann. Und mit den anderen langzeitverletzten Kollegen wieder um Punkte kämpft. Allen drücken wir die Daumen und wünschen gute Besserung. Vielleicht kann Kevin am 13.12., seinem 27. Geburtstag, schon wieder im Training stehen.

Ach ja, das Spiel gegen Neunkirchen haben wir mit 0:1 verloren.

Vielleicht Ironie des Schicksals, dass ich mit einem unserer besten Stürmer im Sprecherhäuschen sitzen musste. Das ist natürlich keine Ausrede, sondern ganz im Gegenteil, nur eine Anmerkung. Trainer Dieter Ferner vom VfB Borussia Neunkirchen bestätigte seinem Kollegen Norbert Hess und der TSG ein engagiertes und gutes Spiel. Norbert Hess monierte den unnötigen Elfmeter, sein saarländischer Kollege sprach gar von einem glücklichen Auswärtssieg seiner Elf.

Ich meine, dann müssen wir in Burgbrohl drei Punkte holen, um dann am 1.11. gegen den FKP zu bestehen. Eine Woche später, am 9.11., erwarten wir im Lokalderby den SV Gonsenheim.

Bis dahin wünscht sich für Sie alles Gute

Uwe Gettkandt