Bei Abpfiff war Norbert Hess erkennbar angefressen. Die Gründe? Nun, nach der Niederlage bei der Spvgg. Wirges (0:2) hatte seine TSG Pfeddersheim mit SV Elversberg II auch einem zweiten Kellerkind der Fußball-Oberliga zumindest einen Zähler überlassen. Und das torlose Remis war dabei als Ergebnis einer arg fehlerbehafteten Vorstellung seiner Elf sogar glücklich gewesen. Zu tun hatte das wohl auch mit der kurzfristig getroffenen Entscheidung, auf eine Dreierkette zu setzen. Keine zwei Stunden vor dem Anpfiff hatte Timm Adler mitgeteilt, wegen Problemen mit der Gesäßmuskulatur nicht spielen zu können. „Er hatte unter der Woche nicht gut trainiert, da aber gesagt, dass es geht“, haderte Hess. Sein Dank ging an den überragenden Keeper Thorsten Müller: „Er hat uns am Leben gehalten.“

Aber okay, gegen die abstiegsbedrohte Buben-Mannschaft aus dem Saarland wäre sicher auch so mehr drin gewesen. Selbst Gästetrainer Timo Wenzel („Wir hatten einen Altersschnitt von 19,5 Jahren“) räumte nachher ein, dass die TSGler eigentlich in Führung hätten gehen müssen. Nach den durch Sebastian Kaster im Duell mit SV-Keeper Felix Schmelzer vergebenen TSG-Chancen (8., 12.) war die erhoffte Wirkung der offensiven Aufstellung aber schon verpufft. Nach einer Viertelstunde verabschiedeten sich die Pfeddersheimer aus dem Spiel – und kehrten eigentlich nicht mehr zurück. Zahlreiche Ballverluste im Mittelfeld (Tobias Klotz) nahmen der Doppelspitze mit Sebastian Kaster und Andreas Buch die Wirkung, zumal Daniel Schattner dahinter eigentlich nur ein Mal nachhaltig in Erscheinung trat: Als er sich unter den Augen von Schiedsrichter Arianti Besiri eine Nickligkeit gegen Leoluca Diefenbach leistete und mit „Rot“ vom Platz musste (62.). Durch den ständigen Rückwärtsgang sah sich zudem Enis Aztekin auf der linken Seite seiner Offensivstärken beraubt. Nichts ging.

Okay, eine Konterchance hätte Sebastian Kaster noch ins Ziel bringen müssen, er traf aus kurzer Distanz den Ball nicht richtig (56.). Die weit besseren Chancen gegen am Ende eben nur noch zehn Pfeddersheimer hatten aber die Gäste. Es entwickelte sich ein ehrgeiziges Duell zwischen SV-Angreifer Janik Michel (54., 69., 80., 88.) und Thorsten Müller, in dem der TSG-Keeper dank großartiger Reflexe den Sieg davon trug.

„Er hat uns den Punkt gerettet“, bestätigte Hess, der analysierte: „Wir haben zum ersten Mal mit einer Dreierkette versucht Fußball zu spielen.“ Es blieb beim Versuch. Hess: „Wir hatten keinen Zugriff.“ Wobei der TSG-Trainer eines nicht übersehen mochte, mit Tobias Bräuner (muskuläre Probleme), dem verhinderten Kevin Gotel sowie eben Timm Adler fehlten drei seiner Stammkräfte: „Die hätten uns natürlich geholfen.“

Auf der Gegenseite konnte sich Timo Wenzel später noch nicht mal richtig darüber freuen, dass es zum zweiten Mal in dieser Saison gelungen war, ohne Gegentor zu bleiben. „Wir haben in der zweiten Halbzeit richtig guten Fußball gespielt, hätten da den Sack zumachen müssen“, so der Coach, der aber auch fand: „In den ersten Minuten haben wir viel Glück gehabt.“ Pfeddersheim habe „richtig Dampf“ gemacht: „Wenn wir da eins, zwei Tore bekommen hätten, dürften wir uns nicht beschweren.“ Es sei wohl ein Tag gewesen, „an dem niemand ein Tor erzielen wollte“. Was Thorsten Müller betrifft, so wollte dieser in jedem Fall keines kassieren.

Oberliga: Müller rettet TSG Pfeddersheim das Remis (Wormser Zeitung, 18.04.2016)