Es war ein Traumtor, mit dem die Fußballer der TSG Pfeddersheim den SC Hauenstein besiegten. Tobias Klotz zauberte einen Zuckerpass über 20 Meter aus dem Fußgelenk. Der pfeilschnelle Sebastian Kaster spurtete in den freien Raum und überwand nach einem kurzen Solo den machtlosen SC-Keeper Kevin Urban. Das Timing hatte so exakt gestimmt, dass die Hauensteiner auf die eigentlich obligatorische Abseitsdebatte mit Schiedsrichter Patrick Kessel verzichteten.

Sebastian Kaster saß nach diesem Sieg, besser hätte für die Pfeddersheimer die Saison in der Fußball-Oberliga nicht starten könnten, der Schalk im Nacken: „Glauben Sie ihm kein Wort, der flunkert immer“, platzte der 26-Jährige gut gelaunt in ein Interview von Andreas Buch. Der Rechtsaußen war nicht nur einer der Besten im ausgesprochen gut funktionierenden TSG-Verbund, sondern auch einer der leidensfähigsten. Fünf Minuten musste er anfangs der ersten Hälfte nach einem Zusammenprall behandelt werden und kehrte mit einem dicken Tapeverband am Kopf zurück. Ans Aufgeben, so sagt er wegen des dicken Eis am Hinterkopf, habe er nur kurz gedacht: „Letztlich wurde mir aber bewusst, dass diese sechswöchige Vorbereitung und die Belohnung, in der Anfangsformation stehen zu dürfen, nicht umsonst gewesen sein sollte“.

Coach Norbert Hess, nach diesem doch eher unerwartet überzeugenden Erfolg über den Erzrivalen aus Hauenstein mächtig stolz auf sein Team, dürfte ob des Stehvermögens von Buch dankbar gewesen sein. Auf der Bank saß niemand, der den omnipräsenten Dauerläufer hätte ersetzen können. Er trug maßgeblich dazu bei, dass der neu formierte Vizemeister aus der Westpfalz bis zum 1:0 so gut wie keine nennenswerte Möglichkeit hatte.

Dass bei den TSGlern der resolute Innenverteidiger Steffen Litzel fehlte, fiel nicht ins Gewicht. Alle, inklusive des glücklosen Stoßstürmers Kevin Gotel, engagierten sich in der Defensivaufgabe und unterstützten die Viererabwehrkette mit Litzel-Vertreter Mathias Tillschneider, die erst in den letzten 20 Minuten dezent ins Schwimmen geriet.

Der Kontrollverlust hatte, im Nachhinein betrachtet, auch sein Gutes. Bakary Sanyang boten sie die Möglichkeit, Skeptiker eines Besseren zu belehren. Mit zwei, drei ausgesprochen starken Paraden hielt der neue, bei den Fans keineswegs unumstrittene, TSG-Keeper den Sieg fest. „Das hätten wir nicht erwartet“, raunte es im Publikum anerkennend. Und es war keine Plattitüde, dass Hess die Leistung des Ex-Hauensteiners explizit betonte. Der angehende Gymnasiallehrer, der in Hauenstein in den vergangenen Jahren kaum Spielpraxis sammeln konnte, rechtfertigte Hess’ Vertrauen nachdrücklich.

Sanyang selbst hielt den Ball flach: „Unsere Abwehr hat sehr gute Arbeit geleistet“, resümierte er: „Und wenn dann mal ein Ball durchkam, dann hatte ich ihn zu halten. Das ist mein Job“, kommentierte der 22-Jährigen nach seinem eindrucksvollen Punktspieldebüt. Wobei er sich klipp und klar zur TSG bekannte. Infolge des Umbruchs beim SC Hauenstein hätte sich ihm in dieser Saison womöglich die Chance geboten, die Nummer eins bei den Westpfälzern zu werden. Allzumal sich zwischenzeitlich auch  Mario Miltner Richtung Wormatia Worms verabschiedet hat. Doch das tangiert Sanyang überhaupt nicht: „Ich bin Pfeddersheimer“, sagt er stattdessen. Das hören sie bei der TSG nun noch viel lieber als vor diesen denkwürdigen 90 Minuten gegen Hauenstein.

TSG Pfeddersheim siegt dank Traumkombination gegen Hauenstein (Wormser Zeitung, 08.08.2016)